Gerard Deulofeu – Ein „Supertalent“ am Scheideweg

Gerard Deulofeu (21) galt als das nächste „große Ding“ im spanischen Fussball. Schnell, flink, trickreich, schussgewaltig. Vom lieben Gott mit unglaublich viel fußballerischem Talent beschenkt debütierte er bereits mit 17 Jahren für die erste Mannschaft des FC Barcelona. Zuvor war er der herausragende Spieler in Barcas A-Jugend, welche 2010/11 die spanische Junioren-Meisterschaft gegen Real Madrid mit 3-1 für sich entscheiden konnte. Nach 27 Toren in zwei Zweitliga-Saisonen bei FC Barcelona B schien er gereift genug um den nächsten Schritt zu wagen Doch seither stagniert die Entwicklung beim jungen Katalanen. Weder beim FC Everton noch beim FC Sevilla konnte sich Deulofeu wirklich nachhaltig festpielen. Zwar gab es immer wieder positive Ausreißer nach Oben, wo er mit einzelnen guten Leistungen auf sich aufmerksam machen konnte. Für einen Platz in der Stammformation reichte es aber da wie dort nie. Während sich andere Wegbegleiter aus den erfolgreichen spanischen Nachwuchsauswahlen wie Alvaro Morata (Juventus Turin), Juan Bernat (FC Bayern) und Paco Alcacer in den Kader der Nationalelf gekickt haben, muss Deulofeu weiterhin mit der U-21 Vorlieb nehmen.

Vom Hoffnungsträger zum Problemfall

Nach 18 Treffern in der Saison 2012/13 wollte Deulofeu, der sich in der zweiten spanischen Liga nicht mehr genug gefordert sah, den nächsten Schritt machen. Überzeugt von dessen Qualitäten lotste Roberto Martinez Deulofeu daraufhin nach Liverpool zum FC Everton. Behutsam führte er ihn an die erste Mannschaft heran. Am Ende der Saison standen dennoch nur enttäuschende 900 Einsatzminuten in der Premier League zu Buche. Immerhin konnte Deulofeu dabei 3 Treffer und 4 Assists verbuchen. Luis Enrique nahm ihn nach seinem England-Abenteuer mit zur Saisonvorbereitung für die abgelaufenen Spielzeit 2014/15. Dort musste er aber feststellen, dass sich Deulofeu im Training nicht genug reinhängte. Andere Nachwuchs-Talente wie Munir El Haddadi oder Sandro Ramirez hatten einen besseren und vor allem motivierteren Eindruck bei Lucho hinterlassen. Daraufhin legte er dem Offensivspieler eine Leihe ans Herz mit dem Verweis, dass er in Barcelona wohl nicht oft zum Zug kommen würde. Der FC Sevilla griff sofort zu, aber auch in Andalusien musste man nach anfänglichen Lobenshymnen feststellen, dass sich Deulofeu zu sehr auf sein augenscheinliches Talent verlies. Kam er in der Hinrunde immerhin noch regelmäßig zum Einsatz, so durfte er in der Rückrunde überhaupt nur mehr in 5 Ligaspielen mitwirken. Die unzufriedenstellende Gesamtbilanz wies 780 Einsatzminuten in der Liga, 349 in der Copa und 204 in der Europa League aus. Der Erfolgscoach des FC Sevilla Unai Emery lies vor Kurzem zu diesem Thema verlauten: „Deulofeu has incredible qualities but lacks others. He doesn’t have the maturity or capacity for sacrifice yet“. Zu Deutsch: Deulofeu ist zwar überaus talentiert, aber ihm fehlt es an der nötigen Einstellung.

Quo vadis Gerard?

Ein Verbleib bei den „Los Nervionenses“ ist unter den gegebenen Umständen eher unwahrscheinlich, auch eine Rückkehr in die erste Mannschaft des FC Barcelona ist wohl ausgeschlossen. Es wird aller Voraussicht nach zu einer weiteren Leihe kommen, welche für Deulofeus Karriere einen (vor)entscheidenden Charakter haben wird. Denn kann er sich wieder nicht durchsetzen, dann wird die Tür beim FC Barcelona und wohl auch bei einigen anderen Topvereinen vorerst geschlossen sein. Deulofeu steht am Scheideweg. Wohin in dieser führt liegt ganz allein in seiner Hand. Mit beneidenswertem Talent gesegnet ging es der Karriere von Deulofeu immer steil bergauf. Immer ging alles leicht und unbeschwert von der Hand (oder besser vom Fuss). Er war der Beste im Nachwuchs der „Blaugrana“, stach in den spanischen Nationalteams heraus und auch in der Segunda Division konnte ihm niemand das Wasser reichen. Nun, im Profi-Fussball angekommen, reicht Talent allein nicht mehr. Deulofeu wird lernen müssen zu kämpfen. Er wird sich an taktische Vorgaben halten müssen. Er wird Defensiv-Aufgaben übernehmen müssen. Und er wird für das Team arbeiten müssen, anstatt für sich und die Galerie zu spielen. Schafft er dies nicht wird er in 2-3 Jahren nicht etwa für den FC Barcelona in der Champions League auf Torjagd gehen, sondern sich mit UD Almeria im Abstiegskampf wiederfinden.

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